Unsere integrative Lerntherapie im Familienzentrum Oberursel befasst sich mit der Behebung von Störungen im Lernprozess. Die Lerntherapie gilt als spezielle pädagogisch-psychologische Förderung für Menschen mit Lern- und Leistungsstörungen. Im Rahmen der Vielfalt von Vorgehensweisen orientiert sich die Lerntherapeutin an den Lernvoraussetzungen, der Lebenslage und der Persönlichkeit (Bedürfnisse, Schwierigkeiten und Stärken) des Kindes/des Jugendlichen. Wir sehen in der integrativen Lerntherapie eine individuelle Lehr- und Lernform, die meistens in Einzelförderung angeboten wird.

Ziele der integrativen Lerntherapie:

Wesentliches Ziel der Lerntherapie ist die gestörte Lernstruktur in ihrem Ausmaß und in ihrer konkreten Erscheinungsform zu erkennen und geeignete Wege zur Wiederherstellung einer positiven Lernstruktur zu finden. Hiefür steht die Motivation, die Anstrengungsbereitschaft, Ausdauer und insbesondere das Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit des Einzelnen besonders im Vordergrund. Wir gehen von der neurowissenschaftlichen Erkenntnis zur Gehirnentwicklung davon aus, dass sich Kinder und Jugendliche nur in einer positiven Lernstruktur befinden, wenn sie angst- und stressfrei lernen können. Gelerntes, das mit schlechten Gefühlen und Angst gekoppelt ist, wird überlagert und beim Abrufen des Gelernten steht diese Kopplung den geforderten Leistungen und Erfolgen im Weg. Die Lerntherapie soll durch Mobilisieren der Ressourcen dazu beitragen, dass Erfolge wieder möglich sind und das vor allem keine negative Kopplung im Gehirn verankert wird.

Zielgruppe:

Lerntherapie wird meistens von Kindern mit LRS, Rechenschwäche (siehe Anhang), Wahrnehmungsstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Motivationsproblemen in Anspruch genommen. Auch Jugendlichen aus den weiterführenden Schulen, die z.B. unter Lernblockaden oder Prüfungsängste leiden, können durch Lerntherapie gefördert werden.

Methoden:

In der Lerntherapie stehen die Kompetenzen und Stärken des Einzelnen im Vordergrund. Mit der positiven Sichtweise kann Motivation und Vertrauen gefördert werden. Die Lerntherapeutin wählt die Methode und Materialien aus, die dem Kind/Jugendlichen entsprechen und seiner individuellen Förderung dienen.

Vorgehensweise:

In einem Anamnesegespräch wird genau ermittelt, in welchen Bereichen das Kind/der Jugendliche Erfolge und in welchen Bereichen Schwierigkeiten auftreten und wie es dazu gekommen ist. Um eine gute individuelle Förderung beginnen zu können, ist eine genaue Eingangsdiagnostik wichtig. Deshalb können auch zur Analyse bei individuellen Lernschwierigkeiten (LRS, Rechenschwäche, Konzentrationsprobleme) Leseproben, Schreibproben, Rechenproben (Hamburger Schreibproben etc.), Lernstanderhebungen nach Gührs etc. einbezogen werden. Ebenso spielt für eine Diagnostik die Erhebung der psychosozialen Situation des Kindes/des Jugendlichen eine wichtige Rolle. Beobachtungen zur sensorischen Integration, Merkfähigkeit, Konzentration etc. sind auch von großer Bedeutung.

Erst dann kann das (kurz- und langfristige) Therapieziel abgesprochen werden und mit der Lerntherapie begonnen werden:

Integrative Lerntherapie im fief Familienzentrum Oberursel

  • Ein dem Rhythmus des Kindes angepasstes Nachholen des Lernprozesses unter Einbeziehung aller Sinne - Lerntherapie ist keine Nachhilfe - dadurch erlebt das Kind/der Jugendliche wieder Erfolge und nichts motiviert so sehr wie Erfolge
  • Deshalb meist Einzeltherapie
  • Arbeit mit kleinschrittig aufgebauten Lernmaterialien (angelehnt an das Marburger Konzentrations- und Rechtschreibtraining, Kieler Zahlenbilder, Lilo Gührs etc.) und eigenen Materialien
  • Gute Zusammenarbeit und regelmäßiger Austausch mit den Eltern/Erziehungsberechtigten und LehrerInnen, damit das Kind/der Jugendliche an alle Lernorte übereinstimmend die neue Lernweise/Lernstrategien aufbauen kann
  • Pädagogische/Psychologische Begleitung in der Lerntherapie: Aufgestaute Misserfolgserlebnisse werden mit dem Kind verstanden und verarbeitet: das Selbstwertgefühl muss gestärkt werden. Hierbei steht die individuelle Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen im Vordergrund
  • Wertschätzende und vertrauensvolle therapeutische Beziehung
  • Entspannungsübungen, Brain-Gym
  • Multidisziplinäres Team

Rahmenbedingungen

Eine integrative Lerntherapie ist nie auf schnelle Erfolge hin konzipiert. In der Regel stellen sich erste Ergebnisse nach ca. einem Jahr ein.

Wenn Eltern ihre Kinder anmelden möchten, erhalten sie zunächst ein kostenloses Erstgespräch. Sollten sie sich für unsere Einrichtung entscheiden, beginnt die Lerntherapie in ihrem oben beschriebenen Diagnoseverlauf, um dann die geeignete Vorgehensweise für das Kind/den Jugendlichen festzusetzen.

Die Lerntherapie findet einmal wöchentlich à 45 Minuten statt.

Wöchentlich finden mit den MitarbeiterInnen des fief-Familienzentrums Teamsitzungen statt und alle 4 Wochen Supervison.

Anhang:
Legasthenie

Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Legasthenie bezeichnet eine umschriebene Störung im Erlernen der Schriftsprache, die nicht durch eine allgemeine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklungs-, Milieu- oder Unterrichtsbedingungen erklärt werden kann. Vielmehr ist die Legasthenie das Ergebnis von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und/oder der sensorischen Integration, bei denen es sich um anlagebedingte und/oder durch äußere schädigende Einwirkungen entstandene Entwicklungsstörungen von Teilfunktionen des zentralen Nervensystems handelt.

Abgenzung zur Lese- Rechtschreib-Schwäche (LRS)

Die Begriffe Legasthenie, Dyslexie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Lese-Rechtschreibstörung oder kurz LRS haben für viele Menschen die gleiche Bedeutung. Als Ursache der Legasthenie werden Wahrnehmungsstörungen angenommen, während eine LRS auch bei nicht wahrnehmungsgestörten Kindern vorliegen kann, die beispielsweise Unterricht versäumt haben. Bei einer leichten LRS kann guter Nachhilfeunterricht zu Erfolgen führen; bei Legasthenie ist in jedem Fall eine integrative Lerntherapie angezeigt.

Mögliche Anzeichen einer Legasthenie

  • auffallend große Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben
  • sehr langsames, fehlerhaftes Lesen
  • Auslassen von Buchstaben oder Silben
  • Buchstaben können kaum zu Wörtern zusammengezogen werden
  • Schwierigkeiten im Erinnern von Reihenfolgen
  • undeutliche, verwaschene Aussprache
  • Wörter im Text werden oft aus dem Sinnzusammenhang erraten
  • für Schreibarbeiten wird überdurchschnittlich lange gebraucht
  • Probleme beim Abschreiben von der Tafel
  • Probleme beim Niederschreiben von Gehörtem
  • häufige Verwechslung ähnlicher Wörter und Buchstaben
  • häufige Verwechslung der Buchstabenfolgen

Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Unter Rechenstörung (ICD-10) versteht man die Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar sind. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie und Differential- sowie Integralrechnung benötigt werden.

Mögliche Anzeichen einer Dyskalkulie - Rechenschwäche

  • Auffallend große Schwierigkeiten beim Rechnen
  • Das Kind hat keine Vorstellung von Mengen und Größen
  • Es zählt immer wieder neu ab
  • Berechnungen benötigen viel Zeit
  • Transferleistungen sind nicht möglich
  • Geübtes und Zwischenergebnisse werden schnell wieder vergessen
  • keine Verbesserung durch ständiges Üben
  • Rechenfehler werden nicht erkannt
  • Duldung widersprüchlicher Ergebnisse nebeneinander
  • Textaufgaben werden nicht verstanden

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